Nachricht an die InetBib-Liste


Von Walther Umstätter

Dieser Artikel ist zuerst in der InetBib-Liste erschienen: http://www.inetbib.de/listenarchiv/msg60234.html

Liebe Listenteilnehmer/innen,
Prof. Dr. Peter Schirmbacher erhielt anlässlich seiner Emeritierung gerade dieses E(hren)-Journal, dass ihn mit Recht für seine Verdienste würdigt.

Dazu möchte ich an dieser Stelle gerne anmerken, dass ich vor ein bis zwei Jahrzehnten die Open Access Entwicklung eher für einen Selbstläufer gehalten habe. Da allerdings mit dem Widerstand etlicher großer Verlage durchaus zu rechnen war (wenn auch nicht in dem heute erkennbaren Maße, s. Diskussion über den Referentenentwurf zur Änderung des Urheberrechts 2016), müssen wir gerade solchen Netzwerkern wie Peter Schirmbacher dankbar sein, die in all diesen Jahren unbeirrt für die notwendigen Fortschritte gekämpft haben, und für die auch weiterhin gekämpft werden muss. Ich hatte ehrlicherweise gedacht, dass es auch im Projekt “Dissertationen online” einfacher und rascher möglich sein würde, mit Hilfe einer Nativen XML-Datenbank (Zwischen Informationsflut und Wissenswachstum S.288; 2009; bzw. www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/lecte.html) automatisch eine Art Science Citation Index zu erzeugen, was sich bald als schwieriger und langwieriger erwies, als wir es damals dachten. So blieb dieser Dissertationsreferenzen-Index bis heute ein Desiderat. Peter Schirmbacher war nicht zuletzt durch seine Leitungsfunktion im Computer- und Medienservice der Humboldt-Universität zu Berlin eine wichtige Bereicherung und Stabilisierung des IBI.

Auch wenn Maria Naczynski dazu schreibt “dass auch der Lehrstuhl für Informationsmanagement am IBI wackelt.” und: “Die Zukunft unserer Branche bleibt spannend und es wird nicht einfach werden…”, ist es wie bei einem Staffellauf, bei dem man nicht weiß, wie lange er noch dauern wird. Eine Generation übergibt die Verantwortung an die nächste, mit den möglichst besten Voraussetzungen, und der Hoffnung, dass diese genutzt werden können.

Als ich 1994 an dieses Institut kam, musste ich rasch erkennen, dass wir auch wieder um unsere Existenz kämpfen mussten. Mit den beiden Neuberufungen Peter Schirmbacher und Michael Seadle (2006) entstand die Hoffnung, so etwas wie ein neues Fundament geschaffen zu haben. Das war der „Lichtblick“ von dem Engelbert Plassmann in seinem Beitrag schreibt. Heute kann man dementsprechend dankbar sein, dass die Mitarbeit von Prof. Dr. Peter Schirmbacher, dessen gute Zusammenarbeit Kollege Michael Seadle betont, ein weiteres Jahrzehnt die Existenz des IBI mit gesichert hat. Gratulation! Nun ruht die Verantwortung im kommenden Jahrzehnt in hohem Maße auf den Schultern von Prof. PhD Vivien Petras und Prof. Dr. Elke Greifeneder, denen man nur viel Glück, Erfolg und Weitsicht bzw. Fortüne wünschen kann – und alle erdenkliche Hilfe von denen, deren Unterstützung auch sie dringend brauchen werden. Das ist um so wichtiger, seit dem die Informationswissenschaft in Düsseldorf (Prof. W. G. Stock) der Streichung einheimfiel. Man darf hoffen, dass es bei dieser Entwicklung in Berlin auch Synergieeffekte mit dem IFQ (Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung) gibt, denn die Digitale Bibliothek muss weiterhin ein Garant für die Qualitätssicherung in der Wissenschaft sein (und im Sinne A. v. Harnacks die Nationalökonomie des Geistes fördern), und das müssen auch die erkennen, die zur Zeit im Informationsbereich gerne streichen ;-).

MfG
Walther Umstätter
via inetbib am 7 März 2017

Zwei Jubiläen: 20 Jahre Open Access und 15 Jahre AGEP an der HU Berlin


Von Sabine Henneberger für die Arbeitsgruppe Elektronisches Publizieren

Ganz genau ist der Zeitpunkt, wann an der Humboldt-Universität (HU) zum ersten Mal Gedanken über Open Access und die Publikation elektronischer Dokumente in die Öffentlichkeit getragen wurden, nicht bestimmbar. Es muss aber spätestens 1997 gewesen sein, denn damals erschien in den RZ-Mitteilungen der Artikel „Die elektronische Publikation von Dissertationen an der Humboldt-Universität zu Berlin“ der Autoren Peter Schirmbacher und Norbert Martin. Im gleichen Jahr startete das Projekt Dissertationen-Online an verschiedenen deutschen Universitäten, unter anderem auch an der HU mit der Projektgruppe Digitale Dissertationen (DiDi).

Zwei Jubiläen: 20 Jahre Open Access und 15 Jahre AGEP an der HU Berlin weiterlesen

Aufbau einer virtuellen Forschungsumgebung zur Unterstützung der Forschung und Lehre für die Runenkunde im deutschsprachigen Raum


Von Patricia Herterich & Sandra Lechelt

Virtueller Abschlussbericht für die
Deutsche Lach- und Schniefgesellschaft

Project LIS-1234/56

Kennwort: RuSkaDe

Januar 2017

Antragsteller:
Name: Petra Flosbauer, Prof. Dr.
Dienststellung: Stellv. Direktorin des Rechenzentrums (Harke)
Geburtsjahr: 1971
Nationalität: deutsch
Institution: Rechenzentrum
Universität für Wikinger, Trolle und Elben von Mittelerde
Dienstliche Adresse: Unter den Weiden 1
24819 Elbenkirchen
Telefon: 07 52 41 / 20 93 12 34
Fax: 07 52 41 / 20 93 23 45
E-Mail: Petra.Flosbauer@harke.mittelerde.de
Berichtszeitraum: 01.01.2012 – 31.12.2014
Förderzeitraum: 3 Jahre

Danksagung und Anmerkung

Die in diesem Bericht vorgestellte virtuelle Forschungsumgebung RuSkaDe hat es so nie gegeben. Aber es gab die Idee zu dieser VFU, die während eines Projektseminars von Prof. Schirmbacher und Maxi Kindling geboren wurde. Wir möchten uns nicht nur für die damals spannende, kreative und unterhaltsame Lehrzeit bedanken. Wir möchten uns auch für die vielen kleinen lehrreichen Momente in unserer Ausbildung bedanken, die uns geprägt und beeinflusst haben und die uns auch zu den Menschen gemacht haben, die wir heute sind. Es war uns eine Ehre, Herr Schirmbacher! Für Ihren neuen Lebensabschnitt wünschen wir Ihnen ebenso unterhaltsame und prägende Momente wie wir sie mit Ihnen während unserer Unizeit haben durften. Alles Gute für die vor Ihnen liegende freie Zeit, viel Freude bei den Hobbies, für die jetzt Zeit vorhanden ist und ein großes Dankeschön!

Aufbau einer virtuellen Forschungsumgebung zur Unterstützung der Forschung und Lehre für die Runenkunde im deutschsprachigen Raum weiterlesen

Open Access: Sichtbarkeit wissenschaftlicher Publikationen


Von Aline Hoetzeldt

Our mission of disseminating knowledge is only half complete if the information is not made widely and readily available to society.“

(Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities /
Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen, 2003)

A bbildung 1: Die Eisberg-Theorie – Sichtbarkeit vs. Unsichtbarkeit
Quelle: Work by Uwe Kils. CC BY-SA 3.0. http://www.ecoscope.com/iceberg/

Open Access bedeutet uneingeschränkter, kostenfreier und unbegrenzter Zugang zu Publikationen für jeden. Im Sinne der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen1 vom 22. Oktober 2003 werden Wissenschaft und Forschung bestärkt, die digitale und weltweite Wissensverbreitung über Open‑Access‑Publikationen zu fördern. Dieser offene Zugang wird durch verschiedenste Indexing und Discovery Services weltweit sichtbar gemacht. Nur durch eine hohe Sichtbarkeit werden eine uneingeschränkte Auffindbarkeit und erst damit ein uneingeschränkter Zugang gewährleistet. Investitionen in die Sichtbarkeit, z. B. durch manuelles oder automatisches Melden der Metadaten einer Publikation an relevante Services, sind mindestens genauso wichtig wie eine Investition in Open Access.

Tabelle 1 beinhaltet einige Indexing und Discovery Services. Unter anderem sind Services gelistet, die ausschließlich Open-Access-Publikationen indizieren bzw. beinhalten.2

Baidu Scholar

J-Gate

PubMed Central

BASE

MEDLINE

QOAM*

Chemical Abstracts Service

Microsoft Academic

Scopus

CNKI Scholar

OAPEN*

Summon

DOAB*

OpenAIRE*

Web of Science

DOAJ*

OpenDOAR*

WorldCat

EBSCO Discovery Service

Primo Central

Google Scholar

ProQuest/CSA

Tabelle 1: Eine Auswahl einiger Indexing und Discovery Services, in alphabetischer Reihenfolge.
* Services ausschließlich für Open-Access-Publikationen

Einer der bekanntesten Services, um eine Suche nach wissenschaftlichen Publikationen zu beginnen, ist Google Scholar. Aber wollen und können wir uns auf Google Scholar und einige wenige andere beschränken? Je größer die Zahl der Services ist, in denen eine Publikation indexiert wird, umso höher ist die Auffindbarkeit und damit die Sichtbarkeit einer Publikation. Um die Sichtbarkeit einer Open‑Access‑Publikation zu verbessern, sollten nicht nur Services, die auf Open Access spezialisiert sind, sondern die Vielzahl der existierenden allgemeinen und fachspezifischen Services in Betracht gezogen werden.

Die folgenden Fragestellungen können eine Grundlage für weitere Diskussionen sein.

  1. Welchen Wert hat eine Open‑Access‑Publikation, die zwar frei zugänglich online steht, aber durch große und kleine Services nicht auffindbar ist?

  2. Autoren sollten sich vor Veröffentlichung über die Sichtbarkeit ihrer Publikation bei den Betreibern von Repositorien, Universitäts- oder Open‑Access‑Verlagen informieren können. Sollten sich Autoren bzw. Herausgeber komplett auf den angebotenen Indexierungsservice verlassen können oder sollten Autoren bzw. Herausgeber zusätzlich selbst investieren?

  3. Reicht es aus, wenn Betreiber von Repositorien, Universitäts- bzw. kleineren Open‑Access‑Verlagen selbst „Pi mal Daumen“ bestimmen, in welchen Services ihre Publikationen sichtbar gemacht werden? Ist es ihnen überhaupt finanziell zumutbar diesen Service kontinuierlich auszubauen?

  4. Müssten die Services den Aufwand für meldende Institutionen bzw. Personen erleichtern – beispielweise über Schnittstellen wie OAI-PMH3 für den OAI-Service-Provider?

  5. Sollte es weitere Standards oder Empfehlungen geben, wie Open‑Access‑Publikationen sichtbar gemacht werden? Sollten bestehende Standards und Empfehlungen bekannter gemacht werden?

  6. Welche Rolle können und werden Bibliotheken spielen?

Autoren und Herausgeber sind von Betreibern von Repositorien und Universitäts- und anderen Verlagen insofern abhängig, da diese maßgeblich mitbestimmen, inwieweit ihre Publikationen im Netz sichtbar sein werden. Eine Open‑Access‑Publikation ist frei zugänglich, solange der freie Zugang auch auffindbar und sichtbar ist. Für erfolgreiches elektronisches Publizieren ist auch die Auffindbarkeit von wissenschaftlichen Publikationen in unserer digitalen, vernetzten und globalisierten Welt eine Voraussetzung.

Herr Schirmbacher, Ihnen ist dieses E(hren)-Journal gewidmet und wie Sie in einem Ihrer zahlreichen Beiträge schreiben, ist die Schnelllebigkeit der technischen Möglichkeiten auch beim Publizieren angekommen, bei der es mitzuhalten gilt.

„Durch die Möglichkeiten der Digitalisierung und die weltweite Vernetzung befindet sich der wissenschaftliche Arbeitsprozess im Wandel, das Publizieren als Teil dieses Prozesses sicher auch, […].“ (Schirmbacher 2013, S. 36)

Ich persönlich, als Ihre ehemalige Studentin, möchte mich bei Ihnen für die wertvollen Informationen in Ihren Seminaren, zahlreichen Ratschlägen während meiner Bachelor- und Masterarbeit, wichtigen Anregungen für weitere Ideen auf dem Gebiet der Informationswissenschaft und dafür, dass Ihre Tür für uns Studenten immer offenstand, außerordentlich bedanken. Für Ihren Ruhestand wünsche ich Ihnen alles Gute!

Referenzen

Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities. 22. Oktober 2003. Verfügbar unter https://openaccess.mpg.de/Berliner-Erklaerung (Original) und https://openaccess.mpg.de/68053/Berliner_Erklaerung_dt_Version_07-2006.pdf (deutsche Übersetzung). (letzter Zugang 09. Januar. 2017)

open-access.net. Der freie Zugang zu wissenschaftlicher Information. Repositorien. Auffindbarkeit der Dokumente – das OAI-Protokoll. Verfügbar unter http://open-access.net/informationen-zu-open-access/repositorien/ (letzter Zugang 09. Januar 2017)

Open Access Netzwerk Austria (OANA) (Hrsg.). 2016. Checkliste für die Herausgabe von Open-Access-Zeitschriften an Forschungseinrichtungen. Version 2 (Stand: 1.3.2016). Verfügbarhttp://www.oana.at/fileadmin/user_upload/p_oana/oana/OANA-Checkliste-OA-Journals.pdf unter: (letzter Zugang 09. Januar 2017)

Schirmbacher, Peter. 2013. Digital born document oder Elektronisches wissenschaftliches Publizieren. In Andreas Degkwitz (Hrsg.). Auf dem Weg zur digitalen Bibliothek. Schriftenreihe der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin, 66. Berlin : Univ.-Bibliothek der Humboldt-Univ. S. 30–36. Verfügbar unter: https://www.ibi.hu-berlin.de/de/forschung/publikationen/infomanagement/pdfs/Schirmbacher2013.pdf (letzter Zugang 09. Januar 2017)

Aline Hötzeldt

Bibliotheks- und Informationswissenschaftlerin, M.A.
Berlin
Deutschland

E-Mail: aline.hoetzeldt@mail.com

Werdegang:

Aline Hötzeldt hat bis 2010 am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft in Berlin studiert und ist seit 2013 im Verlag De Gruyter im Bereich Zeitschriften tätig.

2Einige Services beinhaltet auch die Checkliste des Open Access Netzwerks Austria (OANA) mit Stand 1. März 2016. Diese Liste kann als Ergänzung hinzugenommen werden. (Open Access Netzwerk Austria (OANA) 2016)

3Siehe auch (open-acccess.net)

Bleibende Spuren – wie ich Peter Schirmbacher erlebte


Von Uwe Müller

Mein Weg mit Peter Schirmbacher begann am 3. März 1998 um 10 Uhr, als ich mit Neugier und weichen Knien am schwarz lackierten Besprechungstisch des Zimmers 1060 im Hauptgebäude der Uni Platz genommen habe. Es ist das Büro des Rechenzentrumsdirektors, und ich war dorthin zu einem Vorstellungsgespräch für die Stelle einer studentischen Hilfskraft eingeladen worden. Das Aufgabengebiet war in der knappen Stellenausschreibung mit vier Punkten umschrieben: „Verwaltung (Aufbau und Wartung) des Dokumentenservers, Programmierung von Datenbank-Web-Schnittstellen, Beratung der Promovenden bei der Dokumentenerstellung, Umsetzung von elektronischen Dokumenten nach HTML/SGML“.

Das Thema Elektronisches Publizierens fand ich damals zwar einerseits irgendwie spannend. Konkrete Vorstellungen, worauf es dabei ankäme und was bei der praktischen Umsetzung zu beachten wäre, hatte ich aber kaum. Und so musste mir Peter Schirmbacher so manche recht tragfähige Brücke bauen, um das Gespräch einigermaßen am Laufen zu halten (Zitierfähigkeit? Dokumentenvorlagen? Langzeitarchivierung?). Dennoch hat er mir nicht das Gefühl gegeben, gänzlich unwissend zu sein, und ich wurde dann auch für die Stelle genommen – genauer: für eine Hälfte davon, denn ich teilte mir die eigentlich vorgesehenen 80 Monatsstunden mit einem Kommilitonen. Und so begann ich am 1. April 1998 meinen ersten Job bei Peter Schirmbacher – als studentischer Mitarbeiter im Rechenzentrum der HU.

Es sollte nicht der letzte bleiben. Insgesamt wurden es genau 13 Jahre, in denen ich in unterschiedlichen Konstellationen für ihn tätig war – eine Zeit, auf die ich vor allem dankbar zurückblicke und in der ich die Vielfalt und die Erfolge seines Wirkens erleben konnte. Denn das Projekt „Elektronisches Publizieren von Dissertationen der Humboldt-Universität zu Berlin“, für das ich eingestellt wurde, war nur der Anfang einer überaus stattlichen Reihe von Projekten und Aktivitäten auf diesem Feld und angrenzenden Gebieten, die durch Peter Schirmbacher und unter seiner Anleitung initiiert und durchgeführt wurden. Mit diesem ersten drittmittelfinanzierten Vorhaben – es wurde im Rahmen des so genannten Hochschulsonderpakts III (HSP III) gefördert – hatte Peter Schirmbacher den Grundstein für ein sehr ergiebiges Forschungs- und Arbeitsgebiet unter seiner Federführung gelegt, das später mit der Arbeitsgruppe „Elektronisches Publizieren“ als gemeinsamer Organisationseinheit von Universitätsbibliothek und Rechenzentrum und noch später mit dem Lehrstuhl für Informationsmanagement am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft auch einen formalen Rahmen bekommen sollte.

Doch zunächst war die Projektgruppe, die sich an der Humboldt-Universität um den Aufbau des Dokumentenservers kümmerte, recht überschaubar. Sie bestand neben Peter Schirmbacher und Norbert Martin, dem stellvertretenden UB-Direktor, aus Susanne Dobratz, der Projektverantwortlichen, sowie vier studentischen Mitarbeitern und traf sich immer freitags von 14 bis 16 Uhr im Raum 1064a, dem so genannten Demoraum des Rechenzentrums. Dessen modernes und zu diesem Zeitpunkt in deutschen Hochschulen seinesgleichen suchendes Interieur (das mit der hinter einklappbaren Schranktüren verborgenen Rückprojektionsfläche bei mir Assoziationen an ein futuristisches Lagezentrum weckte) steht sinnbildlich dafür, dass Peter Schirmbacher der Zukunft immer ein ganzes Stück voraus war.

So verhielt es sich auch mit dem Vorhaben, die Online-Veröffentlichung von Dissertationsschriften als eine weitere Möglichkeit zu etablieren, der Publikationspflicht nachzukommen, die für Promovierende nach erfolgreicher Disputation oder Verteidigung gewöhnlich noch zwischen ihnen und der Verleihung der Doktorwürde lauert. Der Akademische Senat der Universität tat sich alles andere als leicht damit, die elektronische Fassung (der ja immerhin noch vier gedruckte Exemplare an die Seite gestellt wurden) den traditionellen Veröffentlichungsarten gleichzustellen – etwa einer zünftigen Verlagspublikation oder der Einreichung teils mehrerer hundert Papierexemplare bei der Universitätsbibliothek. Als das höchste universitäre Leitungsgremium nach wiederholter Befassung und auf Drängen Peter Schirmbachers und Norbert Martins diese Regelung beschloss, dürfte die Humboldt-Universität dennoch die erste deutsche Hochschule gewesen sein, die diesen Veröffentlichungsweg erlaubte: Zum 1. Mai 1998 setzte der AS ein zentral gültiges Addendum für alle Promotionsordnungen der Universität als „fachübergreifende Verfahrensregel“ in Kraft, für die ja eigentlich die Fakultäten die Regelungshoheit besitzen.

Eine ähnliche – wenn auch diesmal nicht ganz so exponierte – Vorreiterrolle nahm die Universität auch in Sachen Open Access ein, als sie acht Jahre später, im Mai 2006, eine eigene Open-Access-Erklärung verabschiedete. Freilich war auch dieses Vorreiten kein Selbstläufer im Akademischen Senat, der den Beschluss letztlich fasste. Vielmehr hat die Humboldt-Universität ihr offizielles Bekenntnis zur freien Verfügbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse wiederum der Beharrlichkeit vor allem einer ihrer Mitarbeiter zu verdanken – Peter Schirmbacher. In seiner Funktion als Sprecher der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation (DINI) hatte er bereits im Jahre 2003 zu den Erstunterzeichnern der Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities gehört, die auch der Humboldt’schen Open-Access-Erklärung zugrunde liegt.

Als Open Access zum offiziellen Ziel universitären Handelns erhoben wurde, war Peter Schirmbacher inzwischen zum Professor für Informationsmanagement am IBI bestellt worden (wo auch ich als sein wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Aufbau des neuen Lehr- und Forschungsgebiets mitwirken durfte) und bekleidete damit fortan zwei überaus arbeitsintensive Jobs an der Uni. Durch die Einrichtung der Professur wurde die Neuorientierung des gerade vor der Schließung bewahrten Instituts eingeleitet, die es bis heute prägt.

Zuvor wäre er der Humboldt-Universität allerdings beinahe ganz abhandengekommen. Denn im Jahr 2005 erhielt Peter Schirmbacher einen Ruf auf die Professur für IT-Management an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die damals ebenfalls mit der Leitung des dortigen Rechenzentrums verbunden war. Ich weiß noch, wie sehr er damals mit sich gerungen hat – um die Entscheidung zu gehen oder zu bleiben. Eine ganze Zeit schien es so, als hätte er gedanklich die Koffer schon gepackt, um nach 15 Jahren RZ- bzw. CMS-Leitung noch mal einen Neuanfang zu wagen. Die Möglichkeit, auch in Berlin einen Lehrstuhl aufbauen zu können und damit der anwendungsorientierten Forschung, die er ja bereits seit vielen Jahren betrieb, ein adäquates Dach zu bieten, und die theoretischen und praktischen Erkenntnisse auch an die Studierenden weitergeben zu können, hat wohl den Ausschlag fürs Bleiben gegeben – trotz der Verlockungen auf eine deutlich bessere Ausstattung in Düsseldorf.

Die Anzahl der Projekte, für die Peter Schirmbacher im Lauf seines langjährigen Wirkens Mittel bei der DFG, dem BMBF, der EU und auch innerhalb der HU eingeworben hat, ist Legion – nicht nur auf dem Feld des elektronischen Publizierens, sondern auch auf dem Gebiet der multimedialen Unterstützung der universitären Lehre, das ihm sehr am Herzen lag, und in den Bereichen Langzeitarchivierung, Forschungsdaten und IT-Sicherheit.

Dasselbe lässt sich für sein Engagement in Fachverbänden und Gremien und für sein Wirken in Wissenschaft und Fachöffentlichkeit sagen. 1999 beantragte er erfolgreich ein DFG-Projekt zum Aufbau von DINI. 2001 holte er die europäische Konferenz für universitäre Informationssysteme EUNIS nach Berlin. 2003 konnte er gemeinsam mit Ed Fox die erste ETD, die internationale Fachkonferenz für elektronische Dissertationen, außerhalb der USA eröffnen und weihte damit gleichzeitig das neu errichtete Erwin-Schrödinger-Zentrum auf dem Campus Adlershof ein, an dessen Konzeption er ebenfalls maßgeblich beteiligt war.

An der Humboldt-Universität hat Peter Schirmbacher weit über die Grenzen von CMS und IBI strukturbildend gewirkt. So ging die Etablierung eines CIO-Gremiums („Leitungsgruppe Informationsprozesse“) auf seine Initiative zurück, deren Vorsitzender er sieben Jahre lang war. Das auf sein Betreiben hin seit dem Jahr 2000 aufgelegte universitätsweite Multimedia-Förderprogramm (heute „Förderprogramm Digitale Medien in Forschung, Lehre und Studium“) hat viele innovative Projekte vor allem im Bereich E-Learning unterstützt. Natürlich ging er selbst mit gutem Beispiel voran und stellte die Aufzeichnungen seiner Vorlesungen am IBI als Screencasts online zur Verfügung – und stellte in den mündlichen Prüfungen dann immer wieder erstaunt fest, wie wortgetreu ihn die Studentinnen und Studenten wiedergeben konnten.

Auch wenn er seine Aktivitäten in Forschung und Lehre, seinen unmittelbaren Einsatz für die Entwicklung von Informationsinfrastrukturen nun etwas verringert (so ganz mag ich mir den bedingungslosen Ruhestand bei ihm noch nicht vorstellen), werden seine Spuren noch lange sichtbar bleiben und wird sein Einfluss noch lange nachwirken. Das liegt an dem großen Wirkungskreis, den er entfaltet hat, und an dem immensen Netzwerk, das er aufgebaut und gepflegt hat. Das liegt aber auch an den vielen Studierenden und nicht zuletzt an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den zahllosen Projekten, die er geprägt hat. Sie tragen – da bin ich mir sicher – ein Stück von Peter Schirmbacher in sich und geben es weiter.

 

Lieber Peter!

Die erfolgreiche Umsetzung deiner vielen, oft visionären Ideen wäre ohne deine absolute Zielstrebigkeit und deine Selbstdisziplin kaum vorstellbar gewesen. Deine hohen Ansprüche hast du dabei natürlich auch als Maßstab an deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angelegt und ihnen viel abverlangt. Das war manchmal ganz schön anstrengend, und zuweilen blieb das Gefühl, deinen Erwartungen am Ende doch nicht so ganz gerecht geworden zu sein. Aber du hast es eigentlich immer verstanden, den Funken deiner eigenen Begeisterung für die Sache auf andere überspringen zu lassen, in ihnen Motivation zu wecken und sie auf deine forschen Wege mitzunehmen. Du hast uns vieles ausprobieren lassen und dir immer wieder auch unseren Rat geholt. Die Jahre, die ich unter deiner Ägide am CMS und am IBI gearbeitet habe, waren für mich nicht nur überaus lehrreich. Die Zusammenarbeit mit dir hat auch – fast immer! – viel Freude gemacht (sonst wäre ich sicherlich auch nicht so lange geblieben). Dafür will ich dir ganz herzlich danken! Und für das Leben als Ruheständler wünsche ich dir viel Freude und alles Gute!

Uwe Müller